Ein Besuch bei einem „ganz normalen“ Sofa-Abend auf dem Fischmarkt
Ein rotes Sofa mit Federkern, eine schmucke Tapete und ein Teppich – was wie ein Wohnzimmer wie anno dunnemals aussieht, mausert sich alle vier Wochen in der Stader Altstadt zur Aufsehen erregenden Show-Bühne. Wer will – und wer sich traut – gibt was zum Besten. Durch den Abend führt die Staderin Sarah Müller.
Ein kurzer Rückblick auf die drei Sommersaisons, die die offene Bühne von Stade aktuell – der Gemeinschaft der Kaufleute und Gastronomen in der Innenstadt – schon für den großen Auftritt parat steht: Das 1. Stader Ukulelen-Orchester war da, ein Flamenco-Gitarrist und ganz spontan gründete sich auch schon mal ein Frauenchor und legte eine mitreißende Performance hin. Besonderen Eindruck hinterließ ein junger Mann vietnamesischer Herkunft, der einen in Asien ultrabekannten Pop-Titel sang. „Der Fischmarkt tobte“, erinnert sich Sarah Müller. Dass er in den Jubel hinein Werbung für sein kleines Restaurant an der Hude-Brücke machte, sei dann auch okay gewesen.
Kein Wunder also, dass auch der NDR auf das Rote Sofa aufmerksam geworden ist und dem mobilen Hotspot für Kleinkunst in der Stader Altstadt einen Besuch angekündigt hat. Diesmal hat das Rote Sofa den Standort an der Alten Stadtwaage bezogen. Sarah Müller, die an diesem Abend von ihrem Mann Patrick unterstützt wird, baut die Gesangsanlage auf, stellt die Mikrofone in Position. Eine Gitarre und ein Cajon für den Rhythmus – es kann losgehen.
Der Fischmarkt ist an diesem sonnigen Sommerabend gut besucht. Fast alle Tische rundum sind besetzt. Wer möchte den ersten Auftritt des Abends hinlegen, fragt Sarah Müller in die Runde. Rufe und Klatschen werden laut, anscheinend hat eine Gruppe ihren Kleinkünstler auserkoren. Doch der will noch nicht. „Ich frage später nochmal nach“, sagt Sarah Müller, die immer Kontakt zum Publikum hält. Zum Warmwerden singt sie selbst ein paar Lieder und begleitet sich mit der Gitarre, was Patrick die Möglichkeit gibt, Stimme und Instrument am Mischpult gut auszusteuern.
Wer ist der erste Mutige, der auf dem Roten Sofa Platz nehmen möchte? Eine Frau bahnt sich den Weg zur Bühne, in der Hand ein Saxophon. Trude heißt die 60-Jährige, sie kommt aus Hamburg. Zwei Jazz-Stücke hat sie im Handgepäck und legt nach einer kurzen Begrüßung auch gleich los. Der Applaus, der dem gelungenen Vortrag gilt, belohnt auch die Aufregung, die die Saxophonistin vorher ausgestanden hat. Nach dem ersten Auftritt scheint das Eis gebrochen. Eine junge Frau, die auch auf Hochzeiten singt, unterhält das Publikum mit ihrem Gesang. Ein Jugendlicher erzählt einen Witz und spannt dabei das Publikum, das interessiert lauscht, gehörig auf die Folter – ohne dann die Pointe zu verraten. Dann bittet Sarah Müller Vater und Sohn auf die Bühne. Sie hatten sich im Vorwege per Mail angemeldet, sind nicht zum ersten Mal dabei. Songs aus England und den USA haben sie im Repertoire. Vater Matthew singt und Sohn Casper begleitet ihn auf der Gitarre. Ihre Lieder kommen gut an und es wird viel geklatscht. Beifall auch für zwei mutige junge Männer, die eine Gesangsnummer abliefern. Das Publikum, das in entspannter Wochenendlaune zuhört, ist engagiert dabei und spendet Beifall für die Auftritte und singt auch mit.
Die drei Stunden zwischen 18 und 21 Uhr vergehen kurzweilig. Kleine Pausen überbrückt Sarah Müller mit Liedern. Und dann kommt er doch noch, der Mann, der schon ganz zu Beginn des Abends der Auserkorene fürs Rote Sofa war. Sarah Müller bespricht mit ihm, was geht. Singen ist nicht so seine Sache, Gitarre auch nicht. Aber sein Mut und die Liebe zu Stade hätten ihn aufs Rote Sofa bewegt, erzählt er. So nimmt er auf dem Cajon Platz und schlägt den Rhythmus, während Moderatorin Sarah Müller den Superhit „Country Roads“ anstimmt. Viele singen mit und damit klingt der Abend mit dem Roten Sofa in bester Stimmung aus.
