Seit mehr als drei Jahrzehnten ist das STADEUM für eine Gruppe aus 8 Kehdingern ein fester Termin im Kalender – und ein verlässlicher Treffpunkt für Freundschaft, Austausch und gemeinsame Erlebnisse. Nach dem traditionellen Theater-Frühstück, bei dem die neue Spielzeit vorgestellt wird und sich viele Abo-Gruppen verabreden, hat Stader-Brise-Redakteurin Julia Balzer mit der Runde gesprochen – über Erinnerungen, Meinungsverschiedenheiten, große Abende und die Frage, warum Theater auch heute noch unverzichtbar ist.
Sie treffen sich nun schon seit vielen Jahren regelmäßig zum Theaterbesuch im STADEUM. Seit wann gibt es Ihre Runde?
Seit der Eröffnung 1989. Gleich zu Beginn haben wir beschlossen, gemeinsam ein Theaterabonnement zu nehmen – und dabei ist es bis heute geblieben. Wir sind vier Ehepaare aus Krummendeich, Balje und Oederquart, drei aus der Landwirtschaft, eines aus dem Obstbau. Der Kulturbesuch ist über die Jahre zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden.
Für welches Abo haben Sie sich am Anfang entschieden?
Das war unseres Wissens nach das Abo B, die „Bunte Reihe“. Wir waren damals alle Ende dreißig/Anfang vierzig und hatten alle kleine Kinder zu Hause. Deren Betreuung an Abo-Abenden hat uns manchmal vor Herausforderungen gestellt, aber am Ende haben wir das immer geregelt bekommen.
Erinnern Sie sich noch an Ihren allerersten gemeinsamen Theaterbesuch?
Ja, sehr genau. Das war am 17. Oktober 1989, und wir haben „Faust“ gesehen. Dieses Datum hat sich bei uns eingeprägt. Mit diesem Stück hat alles angefangen. Wie uns das Stück gefallen hat, wissen wir allerdings nicht mehr genau (lachen).
Wie oft kommen Sie heute noch gemeinsam ins STADEUM?
Mittlerweile haben wir seit ein paar Jahren ein Wahl Abo und pro Spielzeit fünf bis sechs feste Termine. Die werden frühzeitig festgelegt, meist rund um die Vorstellung der neuen Spielzeit. Das ist uns wichtig – diese Termine sind gesetzt, egal was sonst ansteht.
Gibt es Rituale rund um diese Theaterabende?
Ja, die gibt es. Früher sind wir nach den Vorstellungen immer noch gemeinsam in der Stadt essen gegangen. Das hat sich mit der Zeit geändert, weil es so spät wird, dass die Restaurants nicht mehr geöffnet haben. Heute treffen wir uns manchmal schon vor der Aufführung im Stadissimo. In der Pause trinken wir meistens zusammen ein Getränk und stoßen dann auch oft auf die Geburt eines Enkelkindes an (lachen).
Wie erklären Sie Ihren Enkeln, warum man sich drei Stunden still in einen Saal setzt, statt Netflix zu schauen?
Live ist immer besser. Egal ob Schauspiel, Konzert oder ein Comedian, den man auch im Fernsehen sehen kann. Wir waren letztens erst bei Bülent Ceylan. Der ist live einfach nochmal viel besser. Ein besonderes Erlebnis eben und nicht vergleichbar.
Wie laufen Ihre Gespräche nach den Vorstellungen ab?
Unterschiedlich – und genau das ist das Schöne daran. Nicht jeder ist immer gleich begeistert, die Gewichtungen sind schon verschieden. Aber häufig sind wir uns auch alle einig. Dieser Austausch gehört für uns zum Theatererlebnis dazu.
Was gehört zu Ihren schönsten Erinnerungen?
In den 90er Jahren wurde im STADEUM die Fernsehsendung „Achtung, Klassik!“ mit Justus Franz aufgezeichnet. Da haben wir uns manchmal Tickets für die Generalprobe oder die Aufzeichnung geholt. Das war immer sehr besonders, z.B. eine Cecilia Bartoli live zu sehen.
Und gab es auch mal große Enttäuschungen?
Die gab es durchaus (lachen). Man weiß ja nie genau, was einen erwartet. Aber wir haben immer „durchgehalten“ und sind fast nie in der Pause oder früher gegangen. Enttäuschungen gehören dazu.
Wie erleben Sie das Publikum im STADEUM insgesamt?
Das Stader Publikum ist sehr begeisterungsfähig. Man hat oft den Eindruck, dass die Künstler das besonders wahrnehmen und sich darüber freuen. Die Reaktionen sind herzlich, offen und ehrlich. Das schafft eine besondere Atmosphäre im Saal.
Sie begleiten das STADEUM nun schon seit Jahrzehnten. Was hat sich Ihrer Meinung nach im Programm verändert?
Es gibt heute deutlich mehr Comedians und Formate, die gesellschaftliche Themen aufgreifen. Viele stellen die aktuelle Situation sehr pointiert dar. Theater ist für uns immer ein Spiegel der Gesellschaft – und weil sich die Zeiten ändern, ändert sich auch das Programm.
Gibt es neben den regulären Theaterabenden noch weitere feste kulturelle Termine für Sie?
Auf jeden Fall. Pflicht ist für uns immer der Beginn der neuen Spielzeit mit einer Aufführung in der Festung Grauerort. Dieses Open-Air-Erlebnis ist jedes Mal etwas ganz Besonderes. Außerdem treffen wir uns auch privat, zum Beispiel an Silvester – aber das Theater bleibt der gemeinsame Mittelpunkt.
Gibt es Künstler oder Formate, die Sie besonders empfehlen?
Ja, eindeutig die „Söhne Hamburgs“ oder das A cappella Format „Stimmflut“. Das ist bei uns inzwischen echtes Pflichtprogramm. Wenn sie im STADEUM auftreten, ist für uns klar: Da gehen wir hin.
Wie blicken Sie auf die aktuelle Entwicklung des STADEUMs?
Sehr positiv. Wir sind mit dem neuen Team ausgesprochen zufrieden. Man merkt frische Ideen, gleichzeitig bleibt das Programm vielfältig. Unser großer Wunsch ist, dass diese Vielschichtigkeit erhalten bleibt – genau das macht für uns den Reiz des Hauses aus.
Sie kommen alle aus Kehdingen – eine weite Anfahrt, besonders im Winter bei Nebel oder Glätte. Warum nehmen sie das auf sich? Ist der Theaterbesuch der „Ausritt in die große Stadt“?
Für uns fühlt sich das STADEUM eher wie „vor der Tür“ an. Als wir uns für ein Abo entschieden haben, ist man noch nicht so selbstverständlich wie heute nach Hamburg gefahren. Wir genießen es nach vor, im Landkreis ins Theater gehen zu können. Vor dem Bau des STADEUM waren wir auch bereits regelmäßig im Zeughaus.
Was bedeutet das Theater für Ihre Freundschaft?
Es ist der Rahmen, der uns zusammenhält. Diese festen Termine, das gemeinsame Erleben und Diskutieren – das verbindet. Seit 1989 ist das so, und wir hoffen, dass es noch lange so bleibt.
Theater-Frühstück im STADEUM
Während das Publikum an gedeckten Tischen sitzt, kann es Bühnenluft schnuppern und den Blick in den Zuschauerraum genießen. Das Format gilt als beliebter Auftakt in die neue Saison und bereitet Theaterfreundinnen und -freunde auf das kommende Programm vor.
Beim jährlichen Theater-Frühstück im STADEUM wird Kulturgenuss mit einem gemeinsamen Frühstück verbunden. In traditioneller Atmosphäre auf der Bühne, wo sonst Künstlerinnen und Künstler auftreten, stellt das STADEUM-Team immer die kommende Spielzeit vor.
Bei Kaffee, Tee und einem Frühstücksbuffet von Partyservice Waida erhalten die Gäste einen exklusiven Überblick über den neuen Spielplan – von Schauspiel über Konzerte bis hin zu Comedy und Lesungen. Dazu gibt es Hintergrundinformationen, persönliche Empfehlungen und kleine Einblicke hinter die Kulissen.
