Mit großartigem Einsatz vieler Stader haben wir es gemeinsam in den letzten 6 Jahren geschafft, mehr als 500 Lichter in 500 kleinen Herzchen zum Strahlen zu bringen. 500 funkelnde Sternchen in kleine, unschuldige Augen zu zaubern, 500 Lächeln zu schenken, sagt Amir Afschartabbar (hier im Foto aus 2019). © Stade Marketing und Tourismus

Ein Stück Weihnachten für jedes Kind

„Es war ein sehr kalter Tag, ein Kind war gerade auf dem Schulweg nach Hause. Ich war gerade mal 10 Jahre alt und beobachte es schweren Herzens“, erinnert sich der Stader Gastronom Amir Afschartabbar, bei Freunden und Gästen nur bekannt unter seinem Vornamen Amir. „Ein kleines Kind mit Sommerschuhen, die kleinen Füße schon ganz rot von der Kälte. Die Mutter zog das Kind über den Schnee mit einer Hand, mit der anderen Hand trug sie ihre Tasche. Ich wollte helfen, etwas tun, schreien, weinen, aber der einzige Gedanke war, ich kann nichts tun, weil ich klein bin. Aber ich werde etwas tun für solche Kinder, wenn ich groß bin!“

Fast 25 Jahre später, so erzählt Amir weiter, lief er mit seiner Frau in der Innenstadt von München. Als es anfängt zu regnen, bot sich für die beiden als Unterschlupf auf der rechten Straßenseite ein Einkaufszentrum und auf der linke Seite die Kirche „St. Michael“ an.

Eine außergewöhnliche Ausstellung mit dem Titel „Liebesbriefe“ wurde gerade in der wunderschönen Kirche präsentiert. „Ich wurde wieder 25 Jahre zurück in die Vergangenheit katapultiert“, so Amir. „Ich las die Kinderwünsche, deren Träume, deren schöne, aber auch manchmal sehr schmerzhafte Welt traf mich nochmal. Nun war nur noch die Frage, ob ich inzwischen groß geworden bin oder immer noch nicht.“

Kurz danach ging es los. November 2014. „Ein Stück Weihnachten für jedes Kind“ wurde ins Leben gerufen. Amir lebte inzwischen in Stade und führte einen Gastronomiebetrieb am Fischmarkt. Die Stader Tafel war schnell als guter Partner auserkoren. Wunschzettel wurden den Kindern der Familien bei der Lebensmittelausgabe in die Hand gegeben. Die ausgefüllten Zettel kamen wieder zurück zur Tafel. Alle Wunschzettel wurden durchnummeriert.

Dann gab es einen Mitmach-Aufruf über Facebook. Jeder, der helfen wollte, konnte eine Nummer ziehen und das gewünschte Geschenk besorgen und liebevoll einpacken. Mit Unterstützung von Freunden brachte Amir selbst die Geschenke, verkleidet als Weihnachtsmann, rechtzeitig zu den Kindern: Die Anonymität der Kinder wurde gewahrt, die Geschenkabgabe erfolgreich erledigt. 

„Ich habe versucht aus der Aktion eine Art „Charity-Party“ zu machen“, berichtet Amir weiter. „Es gab damals auch Gegenwind. Menschen, die die Aktion skeptisch sahen.“ Aber es gab von vornherein auch eine Vielzahl an Unterstützern, denen Amir heute noch dankbar ist. Speziell erwähnt er dabei seine Frau, das damalige Team des von ihm seinerzeit betriebenen Restaurants „Amadys“, die Hansestadt Stade und den Vorstand von „Stade
aktuell“ e.V.

Im ersten Jahr waren es 44 Kinder. Ein provisorischer Flyer war auf die Schnelle erstellt worden, aber es ging zunächst nur sehr mühsam voran. „Der harte Winter kam uns in die Quere“, berichtet Amir und mehr als die Hälfte der Wunschzettel waren immer noch da. „Ich dachte für einen Moment, dann bist du eben selbst dran, der Rest ist deine Aufgabe.

Der Weihnachtsengel kam aber am nächsten Tagen in Gestalt seines Versicherungsvertreters. Dieser rief an und fragte, wie denn die Aktion laufen würde. „Ich sagte vorsichtig, dass noch ein paar Zettel übrig geblieben sind. Er sagte prompt, dass er die übrigen übernehmen möchte. Ich war der glücklichste Mensch in der Stadt.“ 

So ging die Aktion weiter Jahr für Jahr. Sie wurde immer bekannter, es gab immer mehr Spender. „Leider“, so Amir, ist aber auch die Zahl der bedürftigen Kinder gestiegen und die Wünsche sind bescheidender geworden. Das tut im Herzen weh. Aber anderseits lacht mein Herz jedes Jahr, wenn ich diese enorme Hilfsbereitschaft erfahre und die Aktion wieder erfolgreich beendet ist.“

Seit fünf Jahren beteiligt er auch weitere Vereine aus Stade an die Aktion. Es werden dann Spenden für die Vereine gesammelt, manchmal möchte jemand helfen, hat die Zeit aber nicht, ein Geschenk zu besorgen. Die beteiligten Vereine setzen sich in verschiedenen Formen für den Schutz von Kindern ein.

In diesem Jahr verändert auch hier die Corona-Pandemie den üblichen Ablauf. Und die Aktion kann nur etwas eingeschränkt stattfinden: Amir erhielt die Wünsche per WhatsApp-Messenger. Die Verteilung der Wunschzettel erfolgte über Social-Media-Kanäle. Anstelle von Geschenken werden dieses Mal nur Geschenkgutscheine an die Eltern der Kinder verteilt. Die Familien werden die Geschenke dann selbst einkaufen. 

Ein Verein, der in diesem Jahr besonders im Mittelpunkt der Aktion stehen soll ist die Lebenshilfe e.V.

Weitere Infos zur Aktion auch unter www.stade-tourismus.de