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Business Improvement Districts – ein Modell für Stade?

Die Standortgemeinschaft Stade aktuell wartet nur noch auf den Gesetzesbeschluss, um aktiv zu werden.

Lange mussten Niedersachsens Händler, Kommunen und IHKs darauf warten – nun ist es (fast) so weit. Das niedersächsische Quartiersgesetz, mit dem zukünftig so genannte Business Improvement Districts (BIDs) ermöglicht werden sollen, steht kurz vor dem finalen Beschluss. Die Verbandsanhörung zum Gesetz ist beendet und sogar eine Anschubfinanzierung in Höhe von 400.000 Euro für das Jahr 2020 beschlossen – eine Forderung der IHK Stade, die die Vollversammlung bereits im Jahr 2015 an den Gesetzgeber gerichtet hat. Erste interessierte Initiativen in Niedersachsen stehen bereits in den Startlöchern und planen die ersten BIDs, so auch die Standortgemeinschaft Stade aktuell in der Hansestadt Stade. Kathrin Wiellowicz von der IHK traf sich mit dem Vorsitzenden Georg Lempke und der Citymanagerin Sophie Hohmeister, um ihnen in Sachen „BIDs im Elbe-Weser-Raum“ auf den Zahn zu fühlen. 

E-Commerce im Aufwind und Innenstädte, die nicht genügend in ihre Attraktivität investieren, verbinden sich zu einem unsäglichen Cocktail für viele Einzelhandels-Standorte. Was kann das für Niedersachsen auf den Weg gebrachte BID-Gesetz in dieser Situation bringen?

Sophie Hohmeister, Citymanagerin Foto: © Stade aktuell

Sophie Hohmeister: Ich bin mir sicher, dass es sehr nützlich sein wird, um die Attraktivität einzelner Quartiere zu steigern, indem wir dort die Aufenthaltsqualität verbessern. Ein solches Gesetz bringt viele Dinge voran, um Innenstädte nachhaltig weiterzuentwickeln, sie aufzuwerten. Wichtig ist, dass wir dabei nicht nach dem Gießkannenprinzip verfahren, sondern uns zielgerichtet mit ausgesuchten Quartieren dieser Aufgabe zuwenden.

Georg Lempke: Das BID-Gesetz ist auf alle Fälle auch für Stade eine erstrebenswerte rechtliche Grundlage, weil es für die beteiligten Grundstückseigentümer und Kommunen einen verpflichtenden Charakter hat. Das heißt alle, die von den Maßnahmen profitieren, müssen sich auch beteiligen, und das leidige Thema der Trittbrettfahrerei wird hier schon im Ansatz ausgeklammert.

Wo sehen Sie in Stade Ansatzpunkte für BIDs?

Georg Lempke: Beim Blick auf die Stader Innenstadt sehe ich Potenzial für Entwicklungen. Und genau dort würden wir für den Start zunächst einmal zwei BID-Projekte in den Fokus rücken, deren konkrete Ausgestaltung gerade noch im Detail erarbeitet wird. 

Sophie Hohmeister: Um den Wirkungsmechanismus eines BIDs optimal auszunutzen, ist die genaue Festlegung eines Quartiersbereiches von großer Bedeutung. Denn genau dort, wo das Geld von den Grundstückseigentümern für Maßnahmen zur Verfügung gestellt wird, soll auch eine Attraktivitätssteigerung erkennbar werden. Und auch nur dort, um Anreize zu geben, neue Quartiere mit anderen Beteiligten für weitere sinnvolle Projekte zu definieren.

Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, die privaten Investoren für den BID-Gedanken zu gewinnen? Und wie würden Sie empfehlen vorzugehen?

Sophie Hohmeister: Ich glaube, die Chancen sind gut, weil den zu überzeugenden Eigentümern aufgezeigt werden kann, dass sie auch einen entsprechenden Gegenwert erhalten. Durch attraktive Räume in der Stadt steigt die Lebensqualität dort allgemein, und letztlich wirkt sich das auch positiv auf den Wert ihrer Immobilien aus. Hinzu kommt, dass besonders darauf geachtet wird, dass sich die Eigentümer an einem BID nicht nur finanziell beteiligen, sondern auch bei der Ausgestaltung der Maßnahmen selbst mit einbringen. Das erhöht die Akzeptanz für Verbesserungen noch einmal deutlich.

Georg Lempke, Vorsitzender Foto: © Stade aktuell

Georg Lempke: Unser klares Ziel, durch gut besuchte Quartiere den Handel zu beleben, ist überzeugend. Ganz einfach: Wir wollen Menschen zusammenbringen, und die kommen nur zusammen, wenn’s  auch schön ist. Unser Vorgehen sieht so aus: Die Quartiere werden genau definiert, alle darin befindlichen Eigentümer zu Info-Veranstaltungen eingeladen, auf den Maßnahmen vorgestellt und gemeinsam entwickelt werden. Diese werden anschließend in einem Finanzierungsmodell abgebildet. Danach wird sich zeigen, ob die nötige Unterstützer-Mehrheit zustande kommt und das BID somit Verbindlichkeitscharakter erhält. Der gesamte Umsetzungsprozess wird dann professionell begleitet – von der Stadt, von Stade aktuell und auch vom auf Stadtentwicklung spezialisierten Beratungsunternehmen Cima, das derzeit bereits ein Einzelhandelsgutachten für Stade erstellt.

Inwieweit können und sollten Stade aktuell und die Kommune an einem Strang ziehen?

Georg Lempke: Das ist zwingend erforderlich. Die Stadt entwickelt ihre Infrastruktur und braucht privates Engagement, um mit weiteren attraktivitätssteigernden Projekten ein „I-Tüpfelchen“ draufzusetzen, die kommunal nicht finanzierbar sind. 

Sophie Hohmeister: Ich begrüße es sehr, dass sich Stade aktuell für eines der ersten BIDs in Niedersachsen stark machen möchte. Ich werde das Projekt sehr wohlwollend begleiten und stringent daran arbeiten, es zum Erfolg zu führen.

Wie wichtig ist eine Anschubfinanzierung vom Land?

Sophie Hohmeister: Schon sehr wichtig, um erste Hürden nehmen zu können. Ein Zuschuss dient als Motivationsinstrument, mehr Zustimmung zu erhalten. Ich bin mir sicher, dass ein erstes BID damit schneller umgesetzt wird.

Georg Lempke: Die Mittel, die Stade aktuell aus Mitgliedsbeiträgen generiert, reichen bei weitem nicht, um solch ehrgeizige Projekte auf den Weg zu bringen. Daher ist eine Anschubfinanzierung geeignet, eine Initialzündung zu bewirken und die Bereitschaft zu verbessern, sich mit großer Überzeugung privat finanziell einzubringen. 

Frau Hohmeister, Herr Lempke, vielen Dank für das Gespräch.

Mit freundlicher Genehmigung: (IHK Stade | Wirtschaft Elbe-Weser