Hansefest mit Wasserorgeln und illuminiertem Hafen im September 2009. Stader Unternehmen sponsern 20 Kunstsegel für eine schöne Innenstadt. © Michael Lindner

50 Jahre Stade aktuell: Die Zukunft immer im Blick

Unter dem Motto „Gemeinsam mehr erreichen“ hat sich 1971 ein Verein um ehrenamtliche Stader Bürgerinnen und Bürger und Kaufleute gegründet, der „Bewegung und Erlebnis“ in die Innenstadt Stades bringen wollte …

Ein klares Motto und ein anspruchsvolles Ziel – beides könnte heute nicht aktueller sein und zeigt die damals schon über den Tellerrand hinaus blickende Denkweise in Bezug auf die Belebung von Innenstädten. Ein Thema, das bis heute Bestand hat und angesichts der pandemiebedingten Folgen dringender denn je ist. 

Aber zunächst ein Blick zurück: Unter der Dachmarke „Stade aktuell“ haben sich zahlreiche Stader Bürgerinnen und Bürger und Kaufleute ehrenamtlich engagiert, um die Stadt in den Bereichen Einzelhandel, Kultur und Events weiterzuentwickeln. So haben sie viele Großveranstaltungen wie die Weihnachtsmärkte, die gut besuchten Trödelmärkte und Altstadtfeste organisiert und das über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Shantychor-Festival oder die beliebte Verbrauchermesse „Stade aktuell“ zu attraktiven Ausflugszielen etabliert. Auch die schöne Illumination in der Vorweihnachtszeit geht auf das Konto der kreativen Ehrenamtlichen. Mit insgesamt elf Veranstaltungen pro Jahr hatten sie alle Hände voll zu tun. 

„Stade aktuell war die erste Bürgerinitiative, die positiv gestalten und die Stadt fördern wollte“

Dr. Jürgen Schneider,
1972 bis 1994 Stadtdirektor von Stade

Aber nicht nur für die Organisation von Veranstaltungen waren die Ehrenamtlichen gefragt. Ihre Fachkompetenz wurde auch gebraucht bei Meinungsumfragen und Gutachten rund um die Stadtentwicklung, die Ansiedlung weiterer gewerblicher Institutionen oder die Gestaltung der Fußgängerzonen. „Stade aktuell“ vereinte erfolgreich die Funktionen Event- und Citymanagement mit dem Ziel, die Innenstadt lebendig zu halten, Erlebnisshopping zu schaffen und dabei Kultur und Tourismus zu integrieren. 

Mit dem Erfolg wurden die Aufgaben größer und komplexer – allein die Organisation der Veranstaltungen war ehrenamtlich nicht mehr zu stemmen, auch angesichts des fehlenden Nachwuchses und Freiwilliger sowie der ständig wachsenden Anforderungen an die Ausrichtung von Veranstaltungen. Deshalb wurden dann Ende 2017 die Veranstaltungen sowie die Organisation der Winterbeleuchtung an die STADE Marketing und Tourismus GmbH abgegeben.

Alle mit ins Boot holen

Von Anfang an war klar, dass die bislang tätigen Ehrenamtlichen für die Umstrukturierungen mit ins Boot geholt werden sollten. Dies war man ihnen ob der geleisteten Arbeit nicht nur schuldig, sondern der von ihnen geprägte Weg sollte weitergegangen werden und wertvolles Know-How nicht verloren gehen. 

Die Weiterentwicklung Stades nahm also den Schwung der Ehrenamtlich mit und nahm damit neue Fahrt auf. Frank Tinnemeyer, Tourismusmanager der STADE Tourismus und Marketing GmbH, sah das damals so: „Wir haben jetzt die Chance, neue Akzente zu setzen, ohne alles umzukrempeln. Außerdem übernehmen wir ein großartiges Erbe des Aktuellen Stade, das ein komfortables Fundament bietet, auf dem wir mit alten und neuen Akteuren weiterhin gemeinsam erfolgreiches Stadtmarketing betreiben wollen.“ So konnten seit der Neuausrichtung des Vereins auch viele neue Mitglieder hinzugewonnen werden. In dem ganzen Prozess ist auch das STADEUM nach wie vor ein wichtiges Zugpferd für die Attraktivität der Hansestadt und ein wichtiger Kooperationspartner, der den hohen Anspruch an das kulturelle Angebot in der Hansestadt erfüllt. 

Das Shantychor-Festival im Oktober holt das maritime Flair an den Stader Hafen und in die Innenstadt. Shantychöre aus dem Bundesgebiet und dem Ausland treten hier auf. © Martin Elsen

Die Authentizität der Hansestadt Stade bewahren – das ist etwas, das bleiben soll. „Wir wollen den regionalen Charakter mit Stader Bürgerinnen und Bürger behalten“, sagte der langjährige Vorsitzende von Stade aktuell Wolfgang Drusell, der den Verein maßgeblich mitgeprägt hat. Er setzte sich mit großem Engagement dafür ein, dass Stade niemals austauschbar mit anderen Städten werden sollte und verstand es, für diese Vision seine Mitstreiter und Mitglieder von Stade aktuell immer wieder zu motivieren. 

Immer den Blick in die Zukunft gerichtet

Bis heute gehen die Akteure von Stade aktuell der Frage nach: „Was muss der Verein in Zukunft tun, um die Innenstadtentwicklung positiv mitzuprägen und die Attraktivität Stades zu sichern?“. Sie wissen, dass der stationäre Einzelhandel auch in Zukunft Erfolg haben wird, aber nicht unbedingt mit alten Konzepten. Ein Umdenken ist erforderlich, in das auch andere Akteure wie die Besitzer der Innenstadt-Immobilen mit einbezogen werden sollen. Gerade in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung werden sich Innenstädte zunehmend zu einem Rückzugsort entwickeln, zu einer Art Wohnzimmer. Um Stade darauf vorzubereiten und die Hansestadt zu einer lebenswerten Stadt von Morgen zu machen, ist die Einbeziehung auch anderer Akteure notwendig. Denn schließlich profitieren durch die Attraktivität einer Stadt nicht nur die Einzelhändler, sondern auch die Eigentümer der Immobilien sowie die Stadt oder Kommune an sich. 

Verein unterstützt Business Improvement Districts (BIDs)

Aus diesem Grund haben sich in den letzten Jahren immer mehr Eigentümerinitiativen gegründet, sogenannte Business Improvement Districts, kurz BIDs. Ein international erfolgreiches Modell, bei dem Eigentümer und Gewerbetreibende gemeinsam versuchen, die Standortqualität eines räumlich klar umrissenen Bereichs durch Maßnahmen zu verbessern – in Eigenregie und mit Eigenfinanzierung. Die Initiativen werden in Niedersachsen finanziell unterstützt und haben vor kurzem hierfür eine sichere Rechtsgrundlage erhalten. 

Die Hansestadt Stade beteiligt sich als eine der niedersächsischen Modellstädte daran und wird dabei von Stade aktuell maßgeblich unterstützt. Der Verein übernimmt federführend die Koordination zwischen den Akteuren der Initiative, der IHK Stade und der Hansestadt Stade. Er sorgt für die Schaffung der Strukturen und begleitet alle Abstimmungsprozesse bis zur Antragsstellung für die Fördergelder – zügig und zielorientiert. „Wir halten das Tempo hoch“, sagt der 1. Vorsitzende von Stade
aktuell, Georg Lempke. Und verrät, mit welchem Quartier gestartet wird: Pferdemarkt sowie Kleine und Große Schmiedestraße. Über die weiteren Schritte bis zur Umsetzung informiert Stade aktuell nicht nur seine Mitglieder, sondern auch die Öffentlichkeit. Der ganze Prozess wird begleitet von einem auf Stadtentwicklung spezialisierten Beratungsunternehmen. Der Beginn einer neuen Ära von Stade aktuell e. V. …

Ein Unikat in Sachen
Stadtmarketing :
Werner Höhmann hatte Visionen, wollte Leben in die ruhige Stadt Stade bringen. Mit der Gründung von Stade aktuell ist es ihm gelungen.

Still Sitzen war für Werner Höhmann nichts, dafür hatte er viel zu viele Ideen. Leben sollte in die Stadt Stade kommen – Feiern, Feste und Touristen. „Ihm war zu wenig los in der Stadt“, erinnert sich Jürgen Schneider. Als Stadtdirektor hatte er viel mit Höhmann zu tun und erlebte ihn hautnah. „Stade war damals ein verträumtes Nest, schlief vor sich nicht“, erinnert er sich. Höhmann hat aufgemischt. Seine Aufforderung: „Wir wollen mal was machen.“ war die Initialzündung für die Gründung von Stade aktuell. Nach der ersten Schweden-Woche 1971 war es soweit: Höhmann fand Mitstreiter – Ulrich Bencke, Helmut Büttner, Günter Duderstadt, Rüdiger Kunze, Peter Pientka, Gerd Schleswinski, Klaus Wilhelmi. Mit Herzblut und Energie erfanden und organisierten Kaufleute, Gastronomen und Schausteller immer wieder neue Feste in der Stadt. Meist begannen sie klein und über die Jahre wuchsen die meisten zu Großveranstaltungen in aufwendigem Rahmen heran.