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Die schwimmende Botschafterin der Schwingestadt wird 70

Interview mit Gerd Becker aus dem Vorstand der Greundiek

Was war Ihre Motivation für das persönliche Engagement für die Greundiek?

Wie viele andere Ehrenamtliche habe ich maritime Wurzeln. Ich bin auf dem Frachter meiner Eltern groß geworden, habe meine Kindheit und anschließend die Ferien auf unserem Schiff und der Ost- und Nordsee verbracht. Wenn man aus einer traditionsreichen Schifferfamilie stammt, lässt einen das ein Leben lang nicht los. Seit meinem Vorruhestand bin ich im Vereinsvorstand tätig, kümmere mich um den gesamten kaufmännischen Bereich von der Buchhaltung über Veranstaltungsplanung, Marketing, Vertrieb bis hin zum Crewing. Eine spannende Aufgabe.

Herr Becker, was hat sich getan, seitdem der Verein Alter Hafen das Museumsschiff Greundiek übernommen hat?

Seitdem das Schiff im Jahr 1950 erstmalig in Fahrt genommen wurde, haben Wind, Wellen und Wetter der Greundiek zwischenzeitlich sehr zugesetzt. Als der Verein Alter Hafen die Greundiek 1994 kaufte, war sie nicht mehr fahrtüchtig und von ihrem heutigen Zustand weit entfernt, sie musste in den Stader Hafen geschleppt werden. Ich habe Hochachtung vor den Vereinsmitgliedern, die die damals sehr „verrostete Dame mit Leck“ mit unglaublich viel Einsatz liebevoll zu einer heute wieder schwimmenden Botschafterin der Stadt herausgeputzt haben.

Ist die Greundiek schon weit gereist?

Das Küstenmotorschiff hat in seinem bewegten Leben schon viele Häfen gesehen. Auf Holzfahrt von Skandinavien oder beim Kohletransport von England nach Deutschland war es im Einsatz, transportiere Kohle und Getreide, als Containerschiff fuhr es bis nach Spanien und in den Norden Afrikas. Heute ist die „alte Dame“ eher in heimischen Gewässern unterwegs auf Schwinge und Elbe, gelegentlich durch den Nordostseekanal in Richtung Dänemark oder Schweden. Auch in die Stader Partnerstadt Karlshamn sind wir schon gereist.

Mit der Greundiek können Gäste Kurs auf Schwinge und Elbe nehmen. Was kann man auf der Greundiek außerdem erleben?

Die Greundiek ist heute sehr vielfältig im Einsatz. Sie ist Museumsschiff und technisches Kulturdenkmal. Sogar einen Landespreis für Denkmalpflege hat der Verein für die Restaurierung des Schiffes erhalten. Sie gibt dem Stadthafen sein Gesicht und macht ihn erlebbar. Als Kulturschiff und Begegnungsstätte ist sie ein charmanter Veranstaltungsort für zahlreiche Konzerte, Lesungen und Vorträge und private Feiern.

An wen richtet sich das Angebot der Greundiek? 

An maritim interessierte Menschen aus der Region, aber auch deutschlandweit. Natürlich freuen wir uns auch über internationale Gäste. Wir heißen viele Gruppen willkommen und freuen uns sehr, wenn wir auch jüngere Leute erreichen, da ist noch Luft nach oben – die passenden Veranstaltungen haben wir an Bord!

Was macht eine Fahrt für die Gäste der Greundiek einzigartig?

Der satte Klang der Hupen der Greundiek während der Fahrt, damit die Brücken sich öffnen. Das Spiel der Kolben im Maschinenraum – klingt wie eine Konzertmelodie. Während der Fahrt einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, wo kann man das schon? Die Crew ist mit Herzblut bei der Arbeit und sehr darauf bedacht, dass alle sich an Bord wohlfühlen. Sie ist nicht nur ein Verkehrsmittel, in ihr steckt Liebe zum Detail und ganz viel Herzblut. Erlebbar ist auf der Greundiek das Zusammenspiel aus Nostalgie und Historie des Schiffes einerseits und der modernen Nutzung als Eventlocation andererseits. Ein „Drahtseilakt“, den der Verein täglich mit seiner Arbeit meistert: den Schiffscharakter zu erhalten und den Gästen gleichzeitig eine moderne Nutzung zu bieten. 

Was ist für Gäste ihrer Meinung nach zum Jubiläum noch wichtig zu wissen?

Unser Jubiläum wird ganzjährig gefeiert mit verschiedensten Tagesfahrten, Konzerten, Lesungen. Um nur einige zu nennen: Multivisionsshows von Bikern mit Reiseberichten, öffentliche Tagestouren und besondere Fahrten nach Hamburg z.B. auf den Hafengeburtstag oder an den Traditionshafen am Bremer Kai mit Besuch des Museums für Arbeit, Klönabende mit unseren Kapitänen, Konzerte wie „Ragtag Birds“ und „Albers Ahoi“, eine Krimi Lesung „Soko Sandbank“ und viele mehr. 

Welches ehrenamtliche Team steht hinter diesem besonderen Schiff? 

Wir sind ein Team von gut 20 Ehrenamtlichen, die sich aktiv für die Belange der Greundiek einsetzen. Jeden Mittwoch trifft sich die Mannschaft zum Arbeitseinsatz. Wir alle haben unsere enge Verbundenheit mit der Schifffahrt gemeinsam, daraus erwächst eine hohe Motivation. Von den sechs Kapitänen im Team sind bei einer Tour stets zwei gleichzeitig im Einsatz, auch zwei Maschinisten sowie weitere Besatzung an Deck und im Service. Ungefähr zwölf Mann Besatzung also an einem Fahrtag. 

Was wünschen Sie sich für die Greundiek in den nächsten Jahren?

Wir wünschen uns im Verein, dass sie gut erhalten bleibt, sich alte und neue Vereinsmitglieder gut um sie kümmern. In 2019 haben wir eine neue Gangway installiert, einen Ladekran und den Servicebereich erneuert. In 2020 stehen ein neuer Stromerzeugungsmotor und Generator an. Dass immer eine Crew da ist, die am Ball bleibt. Und natürlich wünschen wir uns weiterhin ein so interessantes Programm, mit dem wir unsere Gäste überraschen können. Wenn sie mit einem Lächeln von Bord gehen und eine tolle Zeit bei uns hatten, haben wir alles richtig gemacht.

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Greundiek feiert Jubiläum

Die Greundiek ist Zeitzeugin bewegender siebzig Jahre Geschichte. Sie wurde ursprünglich auf den Namen „Hans-Hermann“ getauft und ist als eines der ersten Küstenmotorschiffe in Vollschweißbauweise überhaupt nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Rickmers Werft in Bremerhaven gebaut worden. Es ist das letzte heutzutage noch erhaltene von vier Schiffen seiner Art.

Gefeiert wird der 70. Geburtstag zum Stapellauf das ganze Jahr über. Auftakt und auch ein Höhepunkt der Feierlichkeiten wird das Craft Beer & Gourmet Festival (30. April. – 3. Mai) sein. Geplant ist ein Open Ship täglich von 10 – 17 Uhr sowie ein maritimer Flohmarkt am Stadthafen. Kleine und große Gäste dürfen sich auf ein großes Wasserbassin mit funkgesteuerten Modellbooten freuen. Verschiedenste Gaffelrigg- und Traditionsschiffe sind in den Stadthafen geladen, so werden zum Beispiel die Helgoländer Börteboote, die MS Jan-Dirk, die Käpt’n Klünder und das ehemalige Löschboot Repsold erwartet, die auch Fahrten anbieten.

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Samstag, 2. Mai, 20:00 Uhr – RAGTAG BIRDS – Let’s Rock’n’Roll

Die fünf Jungs von den RAGTAG BIRDS spielen fantastischen Rock´n´Roll aus den 50er und 60er Jahren auf der Greundiek. Hits von Elvis Presley, Little Richard, Chuck Berry werden auf höchstem Niveau abgeliefert, individuell interpretiert und mit dem originalen Geist und Charme der guten alten Zeit performt.

Tickets zum Preis von 14,- EUR sind in der Tourist-Information am Hafen erhältlich.

Am 3. Mai um 10:30 Uhr legt die „alte Lady “ zu einer dreistündigen Tour ab. Das An- und Ablegemanöver der Greundiek im schmalen Hafenbecken des Stadthafens ist ein wahrer Millimeter-Akt und bietet den Zuschauern ein besonderes Spektakel.