Als Redakteurin Julia Balzer Max Mutzke telefonisch zum Interview erreicht, dauert es nur wenige Minuten, bis klar wird: Hier spricht ein äußerst sympathischer Künstler. Max Mutzke lacht viel, hört aufmerksam zu – und singt zwischendurch sogar ein paar Takte ins Telefon. Ganz selbstverständlich, fast spielerisch. Musik ist für ihn kein abgetrennter Lebensbereich, sondern Teil des Alltags.
Aufgewachsen ist Max Mutzke in einem Umfeld, das von Herzlichkeit, Offenheit und Kreativität geprägt war. Heute ist er selbst Vater von fünf Kindern –
und beschreibt genau diese familiäre Vielfalt als eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen. Im Laufe seines Lebens hat er gelernt, immer mehr Verantwortung zu übernehmen – für sich, für andere und für das, was er nach außen trägt. Er liebt es, von Kindern, Freunden und Familie zu lernen, andere Blickwinkel kennenzulernen und dadurch wieder neue Impulse zu erhalten.
Diese Haltung prägt nicht nur sein Leben, sondern auch seine Musik. Ob auf großen Festivalbühnen oder in intimen Konzertsälen: Max Mutzke steht für stilistische Offenheit, für Respekt und für die Überzeugung, dass Musik Menschen verbinden kann – gerade in einer Zeit, in der Unterschiede oft betont statt überbrückt werden.
Einer breiten Öffentlichkeit wurde Max Mutzke bekannt, als er von Stefan Raab entdeckt wurde. 2004 trat er für Deutschland beim Eurovision Song Contest an und erreichte mit „Can’t Wait Until Tonight“ auf Anhieb einen beachtlichen achten Platz. Der Erfolg markierte den Beginn einer nachhaltigen Karriere – nicht als kurzlebiges TV-Phänomen, sondern als Musiker mit eigenem Profil, großer stilistischer Bandbreite und dem Mut, seinen eigenen Weg abseits schneller Trends zu gehen.
Am Donnerstag, 3. September, ist Max Mutzke im Rahmen des Holk Kulturfestivals im STADEUM zu erleben – gemeinsam mit Trompeter Rüdiger Baldauf und dessen Trumpet Night & Friends. Ein Abend, der vermutlich nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich nachhallt.
Max, du spielst auf ganz unterschiedlichen Bühnen – von kleinen Clubs bis zu großen Stadthallen. Was reizt dich an dieser Vielfalt?
Ich brauche diese Abwechslung. Kleine Clubs sind sehr direkt, man spürt jede Reaktion sofort. In großen Hallen entsteht dafür eine ganz eigene Energie, etwas Feierliches. Beides hat seinen Reiz – entscheidend ist immer das Publikum und die Menschen auf der Bühne. Jede Situation verlangt eine andere Art des Zuhörens und Reagierens.
Deine Zusammenarbeit mit Rüdiger Baldauf reicht weit zurück. Was passiert musikalisch, wenn ihr gemeinsam auf der Bühne steht?
Ja, absolut, das geht sogar sehr weit zurück. Rüdiger war viele Jahre Trompeter in der Band Heavytones, die Stefan Raab für seine Sendung TV total hatte – eine Art musikalisches Rückgrat der Show im Fernsehen. Wir haben uns damals in diesem Zusammenhang kennengelernt und seitdem immer wieder gemeinsame musikalische Wege gefunden. Weil wir uns so lange kennen, vertrauen wir uns und lassen bewusst Raum für Improvisation. Gerade mit Jazz-Elementen öffnen sich Songs, auch bekannte Stücke, noch einmal ganz neu. Es geht dabei nicht darum, etwas exakt zu reproduzieren, sondern gemeinsam etwas entstehen zu lassen.
Deine Musik bewegt sich selbstverständlich zwischen Pop, Soul, Funk und Jazz. Ist diese stilistische Offenheit für dich eher Haltung oder Biografie?
Beides. Ich bin mit sehr unterschiedlicher Musik aufgewachsen und habe mich nicht auf ein Genre beschränkt. Jede Stilrichtung bringt ihre eigene Sprache mit. Diese Offenheit hält mich neugierig, denn ich finde es spannend, diese Welten zusammenzubringen.
Du sprichst oft davon, dass Musik Menschen verbinden kann. Welche Rolle spielt dabei deine persönliche Lebenswelt?
Ich lebe im Grunde in ganz vielen Bubbles – und das meine ich absolut positiv. Familie, Freundeskreise, Musik, unterschiedliche Lebensentwürfe. Dadurch verändert sich meine Sicht auf Dinge ständig. Selbst politisch: Wenn Freunde andere Meinungen haben als ich, lerne ich dadurch vor allem eines – Respekt. Ich bin extrem dankbar für diese Abwechslung und für die immer neuen Impulse, die mein Leben bereichern.
Damit verbunden sind für dich auch die Themen Toleranz und Respekt. Warum sind sie dir so wichtig?
Weil sie die Basis für alles sind. Man muss nicht immer einer Meinung sein, man muss sich auch nicht mögen oder lieben. Aber man sollte einander zuhören und Respekt haben – vor jedem Menschen. Musik zeigt uns, wie gut das funktionieren kann, denn Musik ist der Schlüssel zu Zusammenhalt. Unterschiedliche Stimmen, unterschiedliche Instrumente – und am Ende entsteht etwas Gemeinsames.
Max, was wünschst du dir ganz persönlich für dein Publikum, wenn es zu einem deiner Konzerte kommt?
Ich wünsche mir, dass die Menschen an der Garderobe nicht nur ihre Jacken ablegen, sondern auch all das, was sie sonst daran hindert, den Abend wirklich zu genießen. Sorgen, Vorurteile, vielleicht auch diese innere Distanz, die man im Alltag oft mit sich herumträgt. Wenn es gelingt, dass man sich für ein paar Stunden als Teil von etwas Gemeinsamen fühlt – verbunden durch Musik und den Moment –,
dann habe ich sehr viel erreicht. Genau dieses Gefühl von Zusammengehörigkeit ist das, was ich mir für meine Konzerte wünsche.
Was würdest du jungen Musikerinnen und Musikern heute mit auf den Weg geben? Spielt live. Mit anderen, vor anderen. Habt keine Angst vor Fehlern. Lernt verschiedene Genres kennen, entwickelt ein Gefühl füreinander. Und ganz wichtig: Respekt vor den Menschen – auf und neben der Bühne.
Was dürfen die Besucherinnen und Besucher im STADEUM konkret erwarten?
Einen Abend voller Spielfreude, Offenheit und echter Begegnung. Viel entsteht im Moment –
und genau das macht diesen Abend besonders.
