(c) Martin Elsen

Auf Pilgerspuren Stade und Umgebung erkunden

Stade als Ausgangpunkt der neuen Europäischen Kulturroute

Stade ist auf verschiedene Weise mit dem Thema Pilgern verbunden. Nun gibt es einen ganz besonderen Grund zur Freude: Die Pilgerroute „Via Romea Germanica“ ist als Europäische Kulturroute ausgezeichnet worden.  Ein zusätzliches „Bonbon“ für unsere Hansestadt: Stade ist Ausgangpunkt der Wanderroute nach Rom. Auf den Spuren von Alb Albert von Stade kann man einzelne Etappen erwandern – oder eben auch den ganzen Weg gehen. Einer von vielen Gründen, die Schuhe zu schnüren und sich einmal selbst auf den Weg zu machen – der Weg ist das Ziel und auch kleine Etappen sind ein Genuss.

Via Romea Germanica vom Europarat als „Europäische Kulturroute“ ausgezeichnet 

Nach einem fünfjährigen Bewerbungsprozess hat die Kommission der 34 Mitgliedstaaten des Europarates der Via Romea Germanica Ende Oktober das Zertifikat „Europäischen Kulturroute“ verliehen. Es bescheinigt die Qualität und Wichtigkeit des Pilgerweges. Die Hansestadt Stade ist als Ausgangpunkt der Pilgerroute Mitglied des Fördervereins der Via Romea „Romweg Abt Albert von Stade e.V.“. Aber was steckt hinter dem Begriff Kulturroute? Die 1987 vom Europarat ins Leben gerufenen Kulturrouten zeigen das Erbe verschiedener Länder und Kulturen Europas, das zu einem gemeinsamen und lebendigen Kulturerbe Europas beiträgt. Im Sinne des europäischen Gedankens verbindet die historische Route Via Romea Germanica als „Weg der Begegnungen“ Pilger, Wanderer und Reisende mit den unterschiedlichen Kulturen Europas. Sie existiert, um Grenzen zu überwinden, unterschiedliche Kulturen in ihren Besonderheiten wert zu schätzen und gemeinsame Traditionen und Werte gemeinsam zu leben – in diesen Zeiten aktueller denn je.

Auf geht’s: Details zur ersten Etappe 

Alle Wege führen bekanntlich nach Rom, so auch die Via Romea Germanica. In Deutschland ist die Route in 12 Abschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt startet in Stade im Innenhof des ehemaligen Franziskanerklosters St. Johannis, die Statue des Abtes ist Startpunkt der Route und erinnert heute noch immer an ihn. Der Weg führt dann entlang des Schwingetals und durch die Stader Geest nach Harsefeld. Der zweite Abschnitt der ersten Etappe verbindet Harsefeld über die Stader und Zevener Geest nach Zeven. Der neue Flyer bietet eine Wegbeschreibung, Sehenswertes entlang der Strecke sowie eine Karte mit der Wegführung und ist in der Tourist Info am Hafen und im Museum Schwedenspeicher erhältlich. Wegführung und Flyer sind auch online abrufbar. Wer sich auf den Weg macht, folgt einer Jahrhunderte alten Pilgerroute, die auf überlieferte Wegeberbindungen zwischen Skandinavien, Italien und Jerusalem zurückzuführen ist. Pilger finden hier einen sicheren Weg durch eine über 1000 Jahre alte Kirchen- und Klosterlandschaft. Auch der Benediktinerabt Albert von Stade nutzte diese Verbindung auf seiner Reise im Jahr 1236 und hinterließ in seinen Reiseaufzeichnungen eine weitestgehend etappengenaue Beschreibung des Weges nach Rom, anhand derer die Route heute genau rekonstruiert und nachverfolgt werden kann. 

Stades Pilgergeschichte 

Stade hat unterschiedlichste Anknüpfungspunkte zum Thema Pilgern. Das Thema ist heute wieder aktuell: nicht zuletzt durch Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ (2006). In 2019 waren fast 350.000 Pilgerinnen und Pilger auf dem berühmten Jakobsweg unterwegs. Auch dieser wohl bekannteste Pilgerweg führt durch Stade.

Abt Albert von Stade hinterließ in seinen Reiseaufzeichnungen seine damalige Pilgerroute der Via Romea Germanica über weite Strecken etappengenau.  Aufgrund seines „Stader Itinerars“ können wir heute die Route der Via Romea Germanica rekonstruieren und in seine Fußstapfen treten. 

Die spektakulären Pilgerzeichenfunde im Stader Hafenbecken sind beeindruckende „Geschenke“ aus früheren Zeiten, auf deren Spuren man sich in Stade Dank der Ausgrabungen begeben kann.

Viele Gründe, sich selbst einmal auf den Weg zu machen und die mittelalterlichen Spuren auf einer Etappe zu ergründen. Wer sich nicht selbst auf Wanderschaft begeben mag, kann auch kurzweilig in Stade vor Ort mit der Spurensuche starten. 

Weitere Informationen zum Thema Pilgern gibt es auf www.stade-
tourismus.de sowie in der Tourist-Information am Hafen unter 04141-776980. Dort kann auch der aktuelle Flyer bestellt werden.

Sonderausstellung
„Wege in den Himmel – Pilgerspuren im Norden“ im Museum Schwedenspeicher bis 14. Februar 2021

Die Entdeckung zahlreicher mittelalterlicher Pilgerzeichen bei Ausgrabungen im Stader Hansehafen 2012/13 gab den Blick in eine unbekannte Welt frei: Auch in Norddeutschland waren bis zur Reformation viele Menschen unterwegs zu den großen Pilgerkirchen Europas – und zahlreichen heute vergessenen Wallfahrtskirchen in der eigenen Heimat. Angeregt von diesem größten deutschen Fundkomplex dieser Art wurde erstmalig ein Forschungsprojekt mit dem Ziel gegründet, die mittelalterliche Wallfahrtsgeografie in Norddeutschland zu untersuchen. Während Pilgerreisen heute oft spirituelle Wanderungen sind, waren sie früher essentiell zur Erlangung des Seelenheils. Die einzigartigen Exponate machen die Bedeutung des Pilgerns im Mittelalter sichtbar und eröffnen einen Blick auf die vielfältigen Geschichten hinter den früheren Pilgerstätten in Norddeutschland. Die erste große Ausstellung zu mittelalterlichen Wallfahrten seit über 30 Jahren. www.pilgerspuren.de