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Lutz Feldtmann (Hotel & Restaurant „Vier Linden“)

Lock-Down – Kommt jetzt der „Lock-Up“?

In der Hansestadt Stade liegen die ersten Schritte zur Öffnung des Tourismus, der Gastronomie und des Handels in Corona-Zeiten hinter uns. Nachdem die Niedersächsische Landesregierung den Stufenplan für einen neuen Alltag mit Corona veröffentlicht hat, sind Geschäfte, die ersten touristischen Einrichtungen sowie Hotellerie und Gastronomie wieder geöffnet. STADE AKTUELL E. V. hat während dieser schwierigen Zeit die Stader Einzelhändler begleitet und so gut es geht unterstützt. Wie sind Einzelhändler, der Tourismus und die Gastronomie durch diese Zeit gekommen? Wie sehen aus ihrer Sicht die Herausforderungen in der „neuen Normalität“ aus?

Tourismus

Frank Tinnemeyer (STADE Marketing und Tourismus)
Frank Tinnemeyer (STADE Marketing und Tourismus)

In den ersten Wochen des Lock-Down ruhte das touristische Angebot, das Tourismus-Team der STADE Marketing und Tourismus GmbH waren vorrangig mit Stornierungen und Umbuchungen beschäftigt. Zudem stand der intensive Austausch mit den touristischen Partnern im Fokus. Eine besondere Herausforderung war die Öffnung des Wohnmobilplatzes „Am Schiffertor“, der seit dem 11. Mai wieder geöffnet ist. „Wir wurden überrannt von Anfragen. Von den 80 Stellplätzen durften bis dato nur 40 belegt werden. Wir haben deshalb kurzfristig eingeführt, dass der beliebte Stellplatz nur noch mit Reservierung angefahren werden darf“, sagt Frank Tinnemeyer, Leiter für Tourismus und Unternehmenskommunikation. Diese besondere Situation haben er und sein Team zum Anlass genommen, in Zukunft die Reservierungsprozesse zu digitalisieren. „Und nicht nur hier. Wir haben die Corona-Zeit genutzt, ein neues Kassen- sowie ein neues Buchungssystem auch für die anderen Abläufe zu implementieren.

Außerdem sammeln wir Ideen für Freizeitaktivitäten im Freien für unsere Gäste, die auch mit Abstand Spaß machen“,

Frank Tinnemeyer

so Frank Tinnemeyer. Besorgt blickt der Touristiker auf die Situation des Gastgewerbes, denn die Umsätze aus Speis und Trank oder die Hotelübernachtung werden eher nicht nachgeholt werden. Positiv sieht er den wohl kommenden Trend des Deutschland-Tourismus: „Davon werden wir mittel- bis langfristig profitieren“, ist er zuversichtlich, „wenngleich wir befürchten, dass wir bei den Busreisenden nachhaltig extreme Einbußen haben werden.“

Einzelhandel

Claus Duderstadt (Foto Schattke)
Claus Duderstadt (Foto Schattke)

Claus Duderstadt, Inhaber von Foto Schattke, fehlen vor allem die Touristen und die Gastronomie. Solange die Restaurants und Cafés geschlossen blieben, fehlte vielen ein Anreiz, in die Stadt zu kommen. „Auch vormittags ist die Stadt leerer. Viele Arbeitnehmer, die sonst in der Mittagspause zu uns gekommen sind, befinden sich im Homeoffice“, sagt er. Auch die möglicherweise folgenden Maßnahmen der großen Betriebe wie Airbus oder die DOW wirkt sich nicht nur auf die direkt dort Beschäftigten aus, sondern trifft auch den Handel.

„Wir leben hier im kleinstädtischen Mikrokosmos und spüren unmittelbar die Folgen dieser Krise“

Claus Duderstadt

Weitreichende Folgen auch über die Stadtgrenze hinaus

Aber auch die landesweiten Folgen der Corona-Krise wirken sich schon jetzt auf sein Geschäft aus: Wenn der Urlaub ausfällt, muss auch keine Kamera für die Urlaubsfotos gekauft werden… Aber bei allen Prognosen bleibt Claus Duderstadt trotzdem zuversichtlich: „Es ist eine Herausforderung, der wir uns stellen und sie auch meistern werden!“ 

Gastronomie

Lutz Feldtmann (Hotel & Restaurant „Vier Linden“)
Lutz Feldtmann (Hotel & Restaurant „Vier Linden“)

Es fällt nicht leicht, als Gastronom positiv in die Zukunft zu schauen. Gehört diese Branche doch zu denjenigen, die das versäumte Geschäft nicht wieder aufholen können.

„Hotelzimmer und Restaurantbetrieb sind wie eine verderbliche Ware“,

Lutz Feldtmann

berichtet Lutz Feldtmann vom Vier Linden Kiek in Hotel in Stade-Schölisch und 1. Vorsitzender des Kreisverbandes Stade vom DEHOGA Niedersachsen. Er meint damit, dass Hotelzimmer und Essen nur einmal verkauft werden und das verlorengegangene Geschäft nicht aufgeholt werden wird. Der Gastronom befürchtet, dass bundesweit 35 bis 40 Prozent der Gastronomen und Hotelliers ihre Existenz verlieren werden. Erschwerend für einen wirtschaftlichen Betrieb sei nach der erlaubten Öffnung seit Mitte Mai unter anderem die Auflage, dass nur 50 Prozent der Zimmer und Gastronomie belegt werden dürfen. Wenn er sagt, dass es den Gastronomen das Herz blutet, wenn in einem großzügigen Außenbereich die Hälfte der Gäste weggeschickt werden müssten, obwohl alle Hygiene- und Abstandregeln eingehalten werden könnten, spricht er allgemein als Vertreter seiner Branche und wünscht sich mehr Spezifikationen der Auflagen. Auch vor dem Hintergrund, dass diese Betriebe Profis sind in der Umsetzung von Hygienevorschriften und man ihnen doch mehr zutrauen könne.

Trotz allem ist Solidarität und Wertschätzung zu spüren

Bei allem Unmut darüber, weiß er um diese schwierigen Entscheidungen, die die Politik treffen musste und sieht in einigen Entscheidungen auch den Schritt in die richtige Richtung: „Die Mehrwertsteuerregelung ist ein Anfang. Wir hoffen, dass die Auflagen der 50 Prozent Regelung zügig wegfallen und wir hiervon profitieren können“, sagt er. Allerdings wird die Wirkung der Mehrwertsteuerregelung auch dadurch reduziert, dass Familienfeiern und Bankettveranstaltungen nicht stattfinden dürfen. Positiv stimmt Lutz Feldtmann die allgemeine Solidarität der Gäste während der Corona-Zeit. Das überwiegend gut angenommene Außer-Haus Geschäft und den Verkauf von Gutscheinen sieht er als Zuspruch und Zeichen der Wertschätzung seiner Branche: „Die Menschen haben sich wohl die Frage gestellt, wie die Welt eigentlich ohne die Gastronomie aussieht und festgestellt, dass Glücksmomente fehlen würden. Und das tut gut zu wissen. Dafür bin ich allen Gästen dankbar“, sagt er und hofft, dass alle Betriebe ihre Gäste bald gesund wiedersehen.