Fotos: © Marcus Gersonde

Der Rest vom Fest ist nicht das Ende

Das Sankt Pauli Museum zu Gast vom 13. November 2021 bis 13. März 2022

Mit der Schließung des Sankt Pauli Museums im Oktober 2020 wanderte die weltweit größte St. Pauli-Sammlung wieder zurück in den Landkreis Stade – zu ihrem aktuellen Eigentümer, dem Kiez-Fotografen Günter Zint. Im Schwedenspeicher wird derzeit eine Auswahl aus dem Fundus, dessen Zukunft noch ungewiss ist, gezeigt.

Knapp drei Jahrzehnte haben Zint und seine Mitstreiter gekämpft – erst um einen Platz, dann um den Erhalt eines Ortes, an dem St. Paulis Reichtum an Kultur(en) und Geschichte(n) gesammelt, bewahrt, erforscht und weitergegeben werden kann. Harte Überzeugungsarbeit wurde geleistet. In den Gründungstagen des Museums 1991 war die Stadt Hamburg weit davon entfernt, St. Pauli und seine Milieus mit Kultur in Verbindung zu bringen. Erst Anfang der 2010er-Jahre wird sie sich für das ideelle Erbe des vielfältigen St. Pauli ernsthaft interessieren. Trotz der mangelnden Unterstützung oder der Mobilität der Sammlung wurde es zur festen Größe im Stadtteil, zum Fixpunkt und zur Anlaufstelle für alle, die ihre Geschichte erzählen wollten, sich aber in den ‚großen Museen‘ und staatlichen Archiven nicht zu Hause fühlten: entstanden ist ein Fundus einzigartiger, skurriler und manchmal erstaunlich banaler Schätze aus den ‚Tiefen‘ kaum bekannter St. Pauli-Welten.

In bester Schausteller -Tradition hat sich das ehemalige Museum des ‚sündigen‘ Stadtteils auf Achse begeben und gastiert ab November 2021 im Schwedenspeicher in Stade. Gezeigt werden Highlights aus dem Fundus – kombiniert zu einer Ausstellung, die so abwechslungsreich ist, wie das Angebot am Hamburger Fischmarkt: Prächtige Bühnenkleider eines Travestie-Stars, prominentes Schuhwerk von Hans Albers, geschichtsträchtiges Holz aus dem Star-Club und von Hein Köllisch, Nippes aus dem Wohnzimmer der einst prominentesten Sexarbeiterin Deutschlands.