Bunt und fröhlich: Freiluft-Kunst in den Altstadtgassen

Hätten Sie es gewusst? „Mien Tuttelduuv“ ist die plattdeutsche Variante von „Mein Turteltäubchen“. Klingt einladend, ist es auch! Farbenfrohe, einfarbige, großflächige Banner bedruckt mit plattdeutschen Worten in moderner Schrift bringen Spannung in Stades Altstadtgassen. Auch wenn Plattdeutsch in Stade und Umgebung keine Fremdsprache ist, sondern regionales Kulturgut, so gerät sie im hochdeutschen Alltag doch oft etwas in Vergessenheit. Das soll die Wort-Kunst-Kampagne auf charmante Weise ändern „denn schließlich ist Plattdeutsch durch die hanseatische Geschichte authentisch im Wesenskern der Stadt verankert“, so Arne Rautenberg.

Der Kieler Schriftsteller Arne Rautenberg, der auch für die „FAZ“ und „Die Zeit“ schreibt, ist für das Projekt in die plattdeutsche Sprache eingetaucht. Er arbeitet mit großflächigen Schriftinstallationen auch im Ausland und wurde 2017 in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung gewählt. Der ausgezeichnete Kunstsammler und Kunsthändler Rik Reinik ist Kurator der besonderen Ausstellung. Heinz Mügge aus Düdenbüttel vom Verein „De Plattdüütschen“ gab Schützenhilfe, ebenso wie das Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen. Dr. Andreas Schäfer, Geschäftsführer der STADE Marketing und Tourismus GmbH, ist Initiator des Projektes. 

Von „Appelsnuut“ bis „Klöterbüx“ – 30 Wort-Perlen der plattdeutschen Sprache hängen auf bunten Bannern gedruckt in diesem Sommer über Stades Altstadt. Die plattdeutschen Begriffe werden im wahrsten Wortsinn gespannt zwischen Stades Altstadtgassen. Sie sollen für Gesprächsstoff und lächelnde Gesichter sorgen und auch Anstoß für den ein oder anderen Klönschnack sein. Jeweils mit dem Wort „Mien“ gekoppelt, kann sich jeder die Worte zu eigen machen und selbst Schimpfwörter wirken wie Kosenamen. Die Freiluftausstellung ist über mehrere Monate kostenfrei zu sehen und soll Leichtigkeit in schwerer Zeit in den Tag bringen. Wer an den Fassaden gen Himmel schaut, kann neue Perspektiven entdecken – an den Fachwerkfassaden genauso, wie auf den plattdeutschen Bannern. Dr. Andreas Schäfer: „Wir wollen mit dieser Art von Kunst Bürger und Touristen in den Bann der Stadt ziehen und den Menschen etwas Neues bieten.“ Die stadteigene Gesellschaft setzt das Projekt um, Stade aktuell als Interessenvertretung der Innenstadtkaufleute, unterstützt es.