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Der Verein Festung Grauerort e.V. kümmert sich seit 23 Jahren liebevoll und mit viel Energie um die über 140 Jahre alte Festungsanlage Grauerort in Stade Abbenfleth. Aktuell gibt es große neue Pläne. Stefanie Scholl von der STADE Marketing und Tourismus GmbH führte dazu das Interview mit Peter W. Schneidereit, Vorsitzender des Vereins seit Januar 2019.

Eine Festung mit Elbblick

Herr Schneidereit, wie kamen Sie „auf den Geschmack“ sich für die Festung ehrenamtlich in vorderster Front zu engagieren?

Ich bin Abbenflether und hatte immer Blick auf die Festung, bin in vielen Vereinen aktiv und seit Jahren Vereinsmitglied. Von Haus aus bin ich Jurist und da war die Festung Grauerort nach vielen Jahren der Selbständigkeit ein vielversprechendes Projekt als Berufung nach dem Beruf.

In welchen Zustand war die Festung vor Vereinsgründung und was hat sich am Grauenort seitdem alles entwickelt?

Nach der Nutzung im 2. Weltkrieg wurde die Festung zwischenzeitlich zum „Urwald“, daher stehen heute auch Bäume auf den Wällen, die dort ursprünglich nicht standen. Dann wurde das Gelände von einem Privatmann übernommen man fing an, die Festung freizulegen. Wir haben seit der Vereinsgründung gemeinsam an der Freiräumung gearbeitet und all die Veranstaltungen auf die Beine gestellt, die die Festung Grauerort heute mit so viel Leben füllen. Was den Ehrenamtlichen seit Vereinsgründung 1999 Sorgen gemacht hat, ist die Sanierung des Daches der Festungsanlage. Immer wieder wurde notdürftig „geflickt“, schließlich drohte dem Festungsbauwerk der Verfall, auch aufgrund von Bausünden der Nachkriegszeit. Es sind schon Teile an der Fassade restauriert worden. Nun muss grundlegend etwas getan werden, um den Zustand der Festung zumindest so zu erhalten und im Optimalfall auch an die Planung aus der Historie anzuknüpfen. Die Anlage steht zudem unter Denkmalschutz.

Die Festung Grauer Ort

Also quasi aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Wie viele Helfer machen das alles möglich?

Der Verein wurde 1999 gegründet, heute hat er 180 Mitglieder. Das Kernteam besteht aus gut 15 Ehrenamtlichen, die im Verein tatkräftig mit anpacken. Jung und Alt arbeiten zusammen, so dass sich alles auf viele Schultern verteilt. So viele Aktive wie heute hatte der Verein noch nie, das freut uns sehr.

Was sind die Highlights, die man nicht verpassen sollte?

Die Festungsanlage hat sich in den vergangenen Jahren zu einem echten Publikums-magneten für die ganze Region entwickelt. Allein im letzten Jahr gab es fast 25 000 Besucher bei den vielfältigen Veranstaltungen. 

Diese Vielfalt macht uns aus: Open-Air Konzerte, Piratenfest für Kinder, Oldtimershows, die Festungstage, Kunstausstellungen, Schmiedekurse, Basare, Vernissagen locken die Menschen an. Unsere Festungsführungen werden sehr gut angenommen. Neu ist ein Flyer mit einem Festungsrundgang. Wenn mal kein Guide vor Ort ist, können Gäste auf eigene Faust auf Entdeckungstour gehen. Auch Privatfeste sind beliebt, unter anderem aufgrund des Charmes, den die Festung als Rahmen bietet. Dieses Jahr ist ja alles ein wenig anders. Aber wir sehen nach vorne und haben große Pläne. Viele unserer Veranstaltungen sind jährlich wiederkehrend. Normalerweise finden ca. 100 Veranstaltungen pro Jahr statt.

Es gibt für die nahe Zukunft große Pläne und viel Grund zur Freude, weil gerade Fördergelder bewilligt wurden. Herzlichen Glückwunsch dazu! Was sind Ihre konkreten Pläne für die Zukunft?

Eine Dachsanierung ist zwingend notwendig. Zusätzlich haben wir aber auch touristische Maßnahmen im Blick für unser Hochwallfort. Der tolle Ausblick soll durch die Errichtung eines Dachcafés Aufenthaltsqualität bieten. Die Idee ist, den direkt an der Festung gelegenen Elberadweg zu nutzen und die Radler auf einen kleinen Abstecher auf die Festung zu führen. Einen Eingang vom Deich her gibt es schon, aber über den Festungswassergraben muss der Innenbereich der Festung mit einer Brücke erschlossen werden. Was gibt es Schöneres, als eine Einkehr und Stärkung im Café auf dem Festungsdach mit Blick auf die Elbe? Das Sommercafé auf den Wallanlagen als „mobile fliegende Bauten“ bei gutem Wetter wird ein echtes Alleinstellungsmerkmal haben mit dem freiem Blick auf die Elbe. Ich habe das schon direkt vor Augen – das erste Stück Kuchen ist mental schon verspeist.

In den Kasematten ist eine Toilettenanlage geplant, die auch von den Radfahrern genutzt werden kann. Für das touristische Projekt mit WC Anlage, baulicher Erschließung und Café rechnen wir mit ca. 550.000 Euro. Ein Ersatzteilshop mit Ladestationen runden das Angebot für den Radwanderer ab. Fördermittel erhofft sich der Verein aus dem Topf der Metropolregion und aus dem EU-Fonds für regionale Landesentwicklung. Wenn alles fertig ist, sollen die Öffnungszeiten angepasst und von Mittwoch bis Sonntag Gäste herzlich willkommen geheißen werden.

Im Moment wird die Architekten-Planung konkretisiert, damit alles für Baugenehmigung und Ausschreibung vorbereitet ist. Vielleicht kann die Dachsanierung noch in diesem Jahr beginnen. Die Umbaumaßnahmen Mitte 2021 abzuschließen wäre das Ziel.

Welche Förderung steht hinter diesen Plänen?

Wir haben zu unserer großen Freude gerade die Zusage für Fördergelder in Höhe von 350.000 Euro aus dem Denkmalschutz-Förderprogramm IX des Bundes erhalten. Seit Ende 2018 sind wir da an den Vorbereitungen. Zusammen mit Ankündigungen in Höhe von bis zu 150.000 Euro von der Stadt Stade, 120.000 Euro vom Amt für regionale Landentwicklung, 80 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, jeweils 50.000 Euro von der niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Bingo-Stiftung sowie 12.000 Euro vom Denkmalschutz des Landes können wir unsere Dachsanierungspläne umsetzen. 

Den Eigenanteil von 80.000 Euro muss die Festung noch zusammen bekommen. Das sind die Einnahmen eines Jahres, auch zum Unterhalt. Es sind Rücklagen gebildet worden, aber durch die Corona-Pandemie fallen natürlich Einnahmen weg. Über eine kleine Spende freuen wir uns daher natürlich sehr. 

An wen richtet sich das Angebot der Festung?

Wir haben ein breites Publikum: sowohl kulturhistorisch Interessierte, als auch Radfahrer zur Einkehr und Entspannung. Außerdem das Zielpublikum für die einzelnen Veranstaltungen von der Kleinkunst über Autoshow, Hobbykunst sowie Open-Air Liebhaber und an Familien. Zunehmend kommen Gäste nicht nur aus unserem Landkreis, sondern auch aus Hamburg und Bremen. Durch die geplanten Maßnahmen erwarten wir außerdem eine deutliche Steigerung der Gästezahlen. Wir sind gespannt! 

Weitere Infos: www.grauerort.com

Die Festung Grauerort wurde in den Jahren 1869 bis 1879 von den Preußen zum Schutz vor feindlichen Schiffen auf der Elbe errichtet. Die hohe Altmarsch nahe des Fahrwassers der Elbe wurde ausgewählt, um schnell einen wirksamen Schutz des Hamburger Hafens zu erzielen. Bereits im deutsch französischen Krieg 1870/71 war die Festung einsatzbereit, wurde jedoch nie in Kampfhandlungen verwickelt. 

Wer spenden möchte:
Festung Grauerort
Förderkonto „Kultur und Tourismus“
Sparkasse Stade-Altes Land  
DE71 2415 1005 1210 3069 55.